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Archiv 2017


VORTRAGSREIHE ZUM REFORMATIONSJUBILÄUM
gemeinsam mit dem Stadtarchiv Hannover


Di 21.11.2017 | 19.30 Uhr | ZEITZEUGENGESPRÄCH | Ort: Neues Rathaus,
Hodlersaal

Prof. Dr. Carl-Hans Hauptmeyer und Rainer Künnecke

1533 – Reformation und Revolte in Hannover

1533: Seit einem Jahrzehnt hatte sich die Lehre des Martin Luther in Hannover verbreitet. Nicht nur kirchliche Reformation wurde gefordert, sondern immer öfter mehr Mitbestimmung der Bürger in allen städtischen Angelegenheiten. Ein Bürgerschwur auf dem Marktplatz bekräftigte dies. Das hatte Hannover noch nie erlebt: Die städtische Bürgerschaft stellte sich gegen den herrschenden Rat und vertrieb ihn schließlich aus der Stadt!
© Historisches Museum Hannover Erstmalig hat Prof. Dr. Carl-Hans Hauptmeyer einen echten Zeitzeugen aus einer vergangenen Epoche zu Gast, nämlich den ersten Bürgermeister nach Vertreibung des alten Patriziats, Anton von Berckhusen (dargestellt von Rainer Künnecke). Er steht Rede und Antwort zu den aufregenden Ereignissen des Jahres 1533, die zu schweren Auseinandersetzungen mit dem Herzog von Calenberg führten und die Stadt viel Geld kosteten. Die Reformation aber siegte, und Hannover blieb eine wirtschaftlich erfolgreiche Stadt.

Mi 22.11.2017 | 17.00 Uhr | VORTRAG

Prof. Dr. Carl-Hans Hauptmeyer

Die Welt, die Reformation und Hannover. Ein historischer Überblick

Die Reformation hat seit 1517 von Deutschland aus ihre weltgeschichtliche Wirkung entfaltet und die Volkfrömmigkeit wie die Amtskirche massiv verändert. Klöster wurden geschlossen und enteignet, die Heiligenverehrung minimiert, die Liturgie auf Abend­mahl, Predigt und Gemeindegesang konzentriert, Vorstellungen von Fegefeuer und Ablass negiert und das Sündenbewusstsein ohne die Vermittlung der Amtskirche auf das eigene Gewissen verlagert. In Hannover setzten sich reformatorischen Ideen und Bewegungen vergleichsweise spät durch. Angesichts stabiler politischer und wirt­schaftlicher Verhältnisse blieb der Rat zunächst kritisch und floh, als der Druck der reformatorischen Parteigänger ab 1532 stärker wurde, nach Hildesheim. Erst 1534 söhnten sich die führenden Akteure aus, Stadt und Rat übernahmen die lutherschen, reformierten Lehren.

Prof. Dr. Carl-Hans Hauptmeyer ist emeritierter Professor für Regionalgeschichte an der Leibniz Universität Hannover. Seine Forschungsschwerpunkte sind Geschichte des späten Mittelalters und der frühen Neuzeit, Niedersächsische Landesgeschichte sowie Theorie und Anwendung der Regionalgeschichte.

Do 30.11.2017 | 17.00 Uhr | VORTRAG

Prof. Dr. Michael Rothmann

Zwischen Himmel und Hölle:
Vorstellungen vom Fegefeuer im Mittelalter

Das Fegefeuer kennzeichnet einen Ort oder Zustand der Läuterung des Menschen nach seinem Tod und ist noch heute ein fester Glaubensbestandteil der römisch-katholischen Lehre. Der Ursprung des Konzeptes liegt weit vor dem Mittelalter. Die reinigende Kraft des Feuers wird jedoch mit den christlichen Jenseitsvor­stellungen verbunden und konkretisiert den Zeitraum zwischen Tod und Jüngstem Gericht. Ab dem 12. Jahr­hundert erhielt das Fegefeuer eine zentrale Bedeutung im Kontext der Sündenlehre und Volksfrömmigkeit. Stiftungen, Fürbitten oder auch das Ablasswesen konnten das Dasein der Toten in dieser Zwischenwelt und vor dem Jüngsten Gericht verbessern helfen. © Niedersächsisches Landesmuseum Hannover

Prof. Dr. Michael Rothmann studierte Germanistik, Philosophie und Geschichte an der J. W. Goethe-Universität, Frankfurt am Main. Nach wissenschaftlichen Stationen in Frankfurt, Köln und Gießen lehrt er heute mittelalterliche Geschichte an der Leibniz Universität Hannover. Seine wissenschaftlichen Schwerpunkte liegen in der Geistes- und Ideengeschichte, der Wirtschafts- und Sozialgeschichte, der politischen Geschichte sowie der Stadt- und Landesgeschichte.

Do 7.12.2017 | 17.00 Uhr | VORTRAG

PD DDr. Jörg Bölling

Reunion und Renaissance. Ökumene am Vorabend der Reformation

Im Jahr 2017 wird der 95 Thesen Martin Luthers von 1517 gedacht. Der Blick richtet sich meist auf die Grundlagen, Anfänge, Entwicklungen, Tendenzen und bleibenden Anliegen der Reformation. Bei aller Diversität und Differenzierung zwischen und innerhalb der verschiedenen Konfessionen wird wohl mehr denn je nicht das Trennende, sondern das Gemeinsame hervorgehoben und zukunftsträchtig gefördert. Dabei spielt neben neuen Konzepten auch der vereinte Rekurs auf das geteilte, noch vorreformatorische Erbe eine große Rolle. Doch auch vor der Reformation hat es Kirchenspaltungen gegeben. Daher stellen sich einige Fragen: Wie hat man gleichsam „am Vorabend der Reformation” ökumenische Konzepte entwickelt und auf der Grundlage konkreter Unionsverhandlungen in die Praxis umzusetzen versucht? Welche Inhalte standen dabei im Vordergrund – mit Blick auf die Trennung der Kirche in Ost und West, aber auch zwischen kirchlichen Traditionen einerseits und humanistischen Innovationen andererseits? Wie gestaltete sich das Verhältnis von mittelalterlichen Kontinuitäten und antikenbegeisterten Aufbrüchen? Kurzum: Welche ökumenische Relevanz hatten Reunion und Renaissance am Vorabend der Reformation?

PD DDr. Jörg Bölling wurde nach dem Studium u. a. der Fächer Geschichte, katho­lische Theologie, Latein und Musikwissenschaft, das er 1999 mit dem Ersten Staats­examen abschloss, in Münster 2004 zum Dr. phil. und in Bochum 2010 zum Dr. theol. promoviert. Nach seiner Göttinger Habilitation für Mittlere und Neuere Geschichte sowie Historische Hilfswissenschaften im Sommersemester 2013 folgten Professurvertre­tungen für Mittelalterliche Geschichte in Wuppertal und Göttingen sowie für Kirchen­geschichte in Hildesheim und Hannover

Di 12.12.2017 | 17.00 Uhr | VORTRAG

Dr. Annette Richter

Von der Kunst, die Natur abzubilden. Naturkundliche Buchillustrationen erläutern die Welt

Naturwissenschaftliche Illustrationen sind bildliche Dar­stellungen in Veröffentlichungen über organische und anorganische Bestandteile unserer Erde. Sie dienen dem Zweck, den verbal beschriebenen Forschungsgegenstand zum besseren Verständnis zusätzlich zu visualisieren, da wir Menschen ausgesprochene „Augentiere” sind. Diese möglichst exakten Illustrationen werden in einem Span­nungsfeld zwischen künstlerisch sehr anspruchsvollen, teils Dreidimensionalität vortäuschenden Abbildungen und eher schematischen Darstellungen angelegt.
Der Vortrag erläutert die Vor- und Nachteile an zoo­logischen und paläozoologischen Beispielen und schlägt den Bogen zu ausgewählten botanischen Illustrationen, unter anderem auch aus dem Prachtband „Königliche Gartenbibliothek Herrenhausen” von 2016.

Dr. Annette Richter ist promovierte Diplom-Geologin und Fachbereichsleiterin der Naturkunde am Landesmuseum Hannover. Wie viele Wirbeltierpaläontologen beschäftigt sie sich mit der naturgetreuen Darstellung von Fossilfunden und Rekonstruktionen. Am Landesmuseum leitete sie über 10 Jahre lang einen renommierten wissenschaftlichen Zeichenkurs. Derzeit widmet sie sich der Geschichte der naturkundlichen Illustration in den Geo- und den Biowissenschaften.


 

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