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2.600 Bände aus dem Nachlass Adam Seide
als Schenkung an die Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek


Der im April 2004 verstorbene hannoversche Schriftsteller Adam Seide hat eine umfassende Bibliothek hinterlassen. Die Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek hat 2.600 Bände zur Avantgarde in Kunst und Literatur der Jahre 1950–2004 aus dieser wertvollen Sammlung erhalten. Weitere Teile aus dem Nachlass Adam Seide wurden bereits der niedersächsischen Stipendiatenstätte Künstlerhof Schreyahn (als Teil eines im Aufbau begriffenen Literaturzentrums Nord­deutschland) und der Staatlichen Hochschule für Gestaltung Karlsruhe zur Verfügung gestellt. Die drei Standorte kooperieren bei der Erschließung dieses singulären Bestandes, deren Ziel der Aufbau eines virtuellen Gesamtkatalogs ist.

Adam Seide, der aus Hannover-Linden stammt, wurde am 2. Juli 1929 geboren. Seide war Schriftsteller, Herausgeber, Kunstkritiker und Galerist. Er förderte Künstler und ihre Kunst; sein eigenes Werk blieb dabei oft im Hintergrund. Seine Erfolgsgeschichte begann mit seinem ersten Projekt, der Galerie Seide am Schwarzen Bären in Linden. Seit 1958 stellte er dort junge Künstler aus, die in den folgenden Jahren die documenta in Kassel bereicherten. Als Kunstkritiker gehörte er in den 70er Jahren zu den Stammautoren unter anderem des Norddeutschen Rundfunks und der Frankfurter Rundschau.

Typografie und Gestaltung waren weitere Schwerpunkte seines Schaffens. Die Zeitschrift theater heute, von seinem Freund Henning Rischbieter gegründet, gestaltete er bis 1980. Egoist, seine Zeitschrift, 1958 unter dem Titel Yardbird als Organ des Jazz Clubs Hannover gegründet, begleitet diese Jahre. Im Visier immer die zeitgenössische Avantgarde in Kunst und Literatur.

Seit 1980, dem Erscheinen des Romans Im Zustand wie gesehen bei Rowohlt, verlagerte sich sein Arbeitsschwerpunkt zur Literatur. In Frankfurt/M., im Umfeld der progressiven Verlage März, Melzer und Athenäum, ist Adam Seide 1984 beteiligt an der Gründung des ersten Literaturbüros in Deutschland. Drei weitere Romane, darunter 1986 Die braunschweigische Johanna, folgen bei Athenäum. Von 1998 bis zu seinem Tod 2004 wirkte er als Dozent für Literatur und Neue Medien an der Staatlichen Hochschule für Gestaltung Karlsruhe, wo er mit den Studenten unter anderem Hans Magnus Enzensbergers „Poesieautomat“ zum internetfähigen Gedichtgenerator weiterentwickelte („versfabrik“ 2003).
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