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Der Goldene Brief des birmanischen Königs Alaungphaya
an den britischen König Georg II. vom 7. Mai 1756

Der Goldene Brief stellt ein außergewöhn­liches Dokument birmanischer und europä­ischer Kontakte dar. Sowohl in materieller Hinsicht als auch in seinem Inhalt, seiner Bedeutung und seiner Geschichte zählt er zu den überaus hochwertigen Dokumenten seiner Zeit.
 

Material und Herstellungsart dokumentieren, dass es dem Verfasser des Briefes darum ging, die Bedeutung, die er dem Brief beimaß sichtbar zu machen. So ist der Brief aus purem Gold gefertigt und mit 24 kostbaren birmanischen Rubinen besetzt. Als Behältnis dient ein hohler Stoßzahn eines indischen Elefanten.

Inhaltlich handelt es sich bei diesem Brief um ein Verhandlungsangebot über einen britischen Stützpunkt in Birma. Anrede und Titulaturen verdeutlichen, dass der Verfasser mit dem Adressaten eine Frage, die für beide Seiten von Bedeu­tung ist, der Klärung zuführen will, und zwar auf der Ebene zweier gleich­berechtigter Partner.

Seine Bedeutung erhält der Brief durch viele unterschiedliche Gesichtspunkte. Für Birma muss er als ein zentrales Dokument nationaler Geschichte angesehen werden. Er dokumentiert, wie der Staat nach einer Phase politischer Schwäche selbstbewusst mit den kolonialen Interessen europäischer Mächte umzugehen versucht. Mit Blick auf die Kolonialgeschichte zeigt der britische Umgang mit diesem Brief, mit welcher Unbefangenheit die Interessen der Handelspartner von den europäischen Mächten zur Kenntnis genommen oder aber ignoriert werden.

Die Geschichte des Briefes zeigt, wie wichtige Dokumente ihrer Zeit aus dem Gesichtsfeld geraten und durch welche Umstände sie wieder in das Bewusst­sein der Öffentlichkeit treten können. Gleichzeitig ist dieser Brief ein bedeu­tendes Zeugnis birmanisch-europäischer Kontakte. Aus heutiger Sicht ist bemerkenswert, dass in diesem Brief dokumentiert wird, wie das Königreich Birma sich gegenüber den europäischen Staaten zu öffnen versuchte.

Der Brief fällt in der Gesamtheit der Dokumente kolonialer Geschichte dadurch auf, dass er birmanischer Herkunft ist und birmanische Geschichte überliefert. Da er an den englischen König gerichtet wurde, ist er frei von jeglichem Verdacht, unrechtmäßig nach Europa gelangt zu sein. Er ist so ein Dokument historischer Kontakte auf der Grundlage gemeinsamer Interessen.

Der Brief ist ein wichtiges Dokument für die Zeit der hannoversch-britischen Personalunion (1714–1834) und darüber hinaus für die vorkoloniale Epoche. Das Interesse der Weltöffentlichkeit an diesem Kulturgut in niedersächsischem Eigentum ist außerordentlich groß.

Der Goldene Brief ist der originale Brief des birmanischen Königs Alaungphaya, (1752–60) an den britischen König Georg II. Das Datum des nach der birma­nischen Zeitrechnung datierten Briefs (10. Tag des ansteigenden Monds des Monats Kason 1118) entspricht dem 7. Mai 1756. Alaungphaya ist der Gründer der Konbaung-Dynastie, die in Birma bis 1886 herrschte.

Der historische Hintergrund (die Mon und Birmanen): In Birma leben ver­schiedene Kulturvölker. Geprägt wurde die politische Geschichte des Landes vor allem von den Birmanen und den Mon. Ab 1752 setzte sich unter den Führern einer birmanischen Revolte gegen die Fremdbesetzung Alaungphaya durch. Ursprünglich der Vorsteher einer Dorfgemeinschaft, konnte Alaungphaya dank seiner kämpferischen Erfolge zusehends Ansprüche auf das Königtum stellen. Infolge der Kriege, die er bis zum Ende seiner Herrschaft führte, setzte Alaungphaya der Mon-Herrschaft ein Ende (1757) und erneuerte die Einheit des birmanischen Reiches. Er verstarb kurz nach der Rückkehr von einem Kriegszug gegen Siam.

Der historische Hintergrund (die Europäer): Zur Zeit des österreichischen Erbfolgekrieges (1740–1748) und des Siebenjährigen Krieges (1756–63) rivalisierten im Indischen Ozean die Flotten der französischen und englischen Ostasiengesellschaften. Sicher ging es dabei um den profitablen Handel und die erstrebenswerte Gunst der indischen Fürsten. Aber zusehends ging es auch um ein „nationales” Interesse. Der Franzose Dupleix beließ es nicht beim Handel. Mit Truppen unterstützte er lokale indische Thronprätendenten und sicherte so nicht nur Allianzen für die Compagnie des Indes Orientales, sondern er eröffnete auch den Beginn einer territorialen Kolonialherrschaft. Rasch wurde diese Politik von den Engländern der East India Company kopiert. Dabei waren letztere aber ungleich erfolgreicher – wie die Geschichte der Entstehung ihres indischen Kolonialreiches im folgenden Jahrhundert zeigt.

Das Original des Briefs war 250 Jahre, wenn man es so sagen kann, „verschollen” (in den Augen der Birma-Historiker zumindest), bis es dann 2007 in der Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek „entdeckt” wurde, wo es natürlich schon immer als besondere Kostbarkeit angesehen und gehütet wurde. Im Rahmen der engeren Geschichte des Dokuments inter­essiert die Frage der Reise des Goldenen Briefes von Rangun über Madras nach London und letztlich nach Hannover. Als Zeugnis materieller Kultur wirft der völlig einzigartige Brief auch Fragen auf zu seiner Herstellung und zur symbolischen Kraft und Bedeutung seiner Darstellung und Verzierung.

König Alaungphaya hat heute in Birma die gleiche heroische Anerkennung in der nationalen, ja mythologisierenden Histo­riographie wie ein vergleichbarer Feldherr oder Reichsgründer eines europäischen Staates. Die Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek besitzt einen unvergleichlichen Schatz birmanischen Kulturguts. Es gibt sonst nirgendwo auf der Welt einen solchen Brief eines birmanischen Königs.

Birmanische Transliteration des Briefes und deutsche Übersetzung

Reskript der Zuweisung des Goldenen Briefes an die Bibliothek

Literatur

Leider, Jacques P.:
King Alaungmintaya's golden letter to King George II (7 May 1756) –
the story of an exceptional manuscript and the failure of an diplomatic overture.
Hannover: Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek, 2009
Volltext (pdf)

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