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Geschichtswissenschaften

Bestandsgeschichte

Seit Gründung der Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek bzw. ihrer Vorgänger­einrichtung in der Mitte des 17. Jahr­hunderts spielt das Fach Geschichte im Bestand der Bibliothek eine heraus­ragende Rolle. Die Beschaffung historischer Schriften ging zum Teil auf die privaten Neigungen des in Hannover regierenden Herzogs und Bibliotheks­gründers Johann Friedrich zu Braunschweig und Lüneburg (1625–1676) zurück, hatte aber in der Folgezeit auch politisch-dynastische Gründe. Sein Nachfolger Ernst August (1629–1698), mit dem 1692 der Aufstieg des Fürstentums Calen­berg zum Kurfürstentum gelang, ließ schon 1686 ein Hofhistoriographenamt einführen und verknüpfte dieses mit der Leitung der Bibliothek. Erster Hof­historiograph in Hannover wurde der Universalgelehrte Gottfried Wilhelm Leibniz (1646–1716), der im Auftrag des Herzogs begann, eine Geschichte des Gesamthauses Braunschweig und Lüneburg zu erarbeiten. Mit ihr sollte der politische Aufstieg der Welfendynastie historisch legitimiert werden. Zahlreiche namhafte Gelehrte, unter ihnen die Historiker Simon Friedrich Hahn (1692–1729) und Georg Heinrich Pertz (1795–1876), leiteten nach Leibniz die Königliche Bibliothek, wie das Haus seit Beginn der Personalunion zwischen Kurhannover und Großbritannien im Jahr 1714 hieß. Pertz arbeitete von Hannover aus an der Herausgabe der wichtigsten deutschen Geschichtsquellen des Mittelalters mit, den Monumenta Germaniae Historica (MGH), deren Präsident er bis 1873 war.

In ihren Sammelschwerpunkten, zu denen neben den Geschichts- auch die Staatswissenschaften gehörten, erreichte die Königliche Bibliothek bis zum Ende des 18. Jahrhunderts eine Vollständigkeit, die sie überregional berühmt machte. Auch für die Erschließung der Literatur wurde in Hannover viel getan. Schon der Helmstedter Geschichtsprofessor Hahn entwickelte z.B. für das Fach Geschichte den ersten systematischen Zettelkatalog der Welt, der als Album mit auswechselbaren Einsteckzetteln funktionierte und den Bandkatalog ablöste.

 

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