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leibniz

Windmühle
Im
17. Jahrhundert war die Anwendung von Wasserrädern, um durchgesickertes
Wasser mittels Pumpen aus den Gruben zu fördern, im deutschen Bergbau bereits
lange etabliert. Als Alternative zu diesem System konzipierte Leibniz für
den Oberharzer Bergbau die Nutzung von Windkraft für den Antrieb von Pumpen.
Zunächst (um 1680) ließ er Versuche mit einer Vertikalwindkunst für
den Antrieb der Pumpengestänge durchführen Bei diesen Versuchen auf
der Grube St. Catharina konnten zwar mindestens 14 Pumpensätze kurzfristig
angetrieben werden, aber eine langzeitige, stetige Wasserförderung war
auf diese Weise nicht zu gewährleisten. Später (um 1684) ließ
er eine Horizontalwindkunst für den Antrieb einer Wasserförderschnecke
bauen und Versuche damit durchführen. Mit diesen Windmaschinen (Windturbinen)
war es möglich, Wasser aus einem Teich in einen höher liegenden Graben
zu fördern. Leibniz entwarf ein Wasserkreislauf-Projekt, mit dem die abfließenden
Aufschlagwasser aus den Schächten in mehreren Schritten durch Windkraft
in Teiche gehoben und über ein System von Gräben, Wasserläufen
und Gerinnen erneut auf die Wasserrädergeführt werden sollten.
Dadurch sollte ein zuverlässig funktionierendes Wasserwirtschaftssystem
mit Pumpspeicherwerken für die Gruben des Burgstätter Gangzuges geschaffen
werden. Der Einsatz von Horizontalwindkünsten hätte durchaus zu einem
dauerhaften Erfolg führen können, wenn er nicht am Widerstand der
zuständigen Bediensteten des Bergamtes und der Bergleute gescheitert wäre.
Im Jahre 1685 ließ Herzog Ernst August alle Versuche mit den Windkünsten
einstellen.
Darüber hinaus beschäftigte sich Leibniz mit der Lösung einer
Reihe von technischen Problemen des Oberharzer Bergbaues. Er bemühte sich
um die Verbesserung der Treibkunst, d.h. die Erleichterung des Treibens mit
Pferden. Ein besonderes Problem dabei war die ständige Verwicklung der
Förderketten. In den Jahren 1685-1686 ließ er, um einen vollkommenen
Gewichtsausgleich zu erreichen, auf einer Grube des Rosenhöfer Gangzuges
Versuche mit einem Unterseil, das an der Unterseite der Fördertonnen angehängt
wurde und damit ein durchgehendes, endloses Förderseil ergab, durchführen.
Ein weiterer Versuch zur Verbesserung der Treibkunst aus dem Jahre 1694 hatte
einen konischen Seilkorb zum Gegenstand, der zur besseren Führung der Förderketten
bei der Auf- und Abwicklung beitrug. Er wurde gegen den sonst üblichen
zylindrischen Seilkorb auf der senkrecht stehenden Spindel des Pferdegöpels
ausgewechselt.
Leibniz hinterließ eine Vielzahl von technischen Skizzen mit Entwürfen,
die zwar ihre Wurzeln in der praktischen Erfahrung des Bergbaues hatten, die
aber großenteils damals nicht zu realisieren waren. Besonders zu erwähnen
in diesem Zusammenhang sind zwei Beispiele aus dem (modernen) Bereich der Regelungstechnik,
nämlich seine Skizzen zu einer Konstruktion, das senkrechte Flügelkreuz
einer Windkunst stets in den Wind zu drehen, sowie seine Konzeption einer Drehzahlregelung
oder selbstregulierenden Bremsvorrichtung für eine Vertikalwindkunst.
Literatur: 1. J. Gottschalk, „Theorie und Praxis bei
Leibniz im Bereich der Technik, dargestellt am Beispiel der Wasserwirtschaft
des Oberharzer Bergbaues “, in: Studia Leibnitiana. Supplementa, 22, Stuttgart
1982, S. 46-57;
2. J. Gottschalk, „Technische Verbesserungsvorschläge im Oberharzer
Bergbau“, in: K. Popp,E. Stein (hrsg.): Gottfried Wilhelm Leibniz.
Das Wirken des großen Universalgelehrten als Philosoph, Mathematiker,
Physiker, Techniker, Hannover 2000, S. 109-124.
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